Spieletest: 1080° Avalanche NGC

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Weitere Infos

Releasedate:
32. November 2003

USK 0 keine Onlinefunktion

Anzahl der Spieler: 1-4

Leser-Meinungen: 5 Meinungen

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Specials: - 60 Hz-Modus
- LAN-Modus

Plus / Minus

Positiv:
sehr gute Steuerung
lizenzierter Soundtrack
gute Technik
Negativ:
geringer Umfang
mickriger Multiplayer-Modus

Pünktlich zu Weihnachten werden die Pisten wieder unsicher! Dank Frühlingstemperaturen aber nicht vor der Haustür, sondern direkt in eurem Wohnzimmer! 1080° Avalanche bringt auch über Pixelstraßen in die Berge und schnallt digitale Bretter unter eure Füße. Worauf wartet ihr noch? Ab geht´s...

Schon zum zweiten Mal traut sich Nintendo ans Snowboard-Genre heran. Warum auch nicht, war das Vorgängerspiel auf dem Nintendo64 doch qualitativ gesehen ein voller Erfolg. Zum Glück erkannten das auch die Spieler und liefen haufenweise in die Läden um sich das damals sowohl technisch, als auch spielerisch brillante 1080° Snowboarding zu kaufen.
Fünf Jahre später halten wir nun mit großen Erwartungen den Nachfolger in den Händen. Und aus diesen kommt es vielleicht auch so schnell nicht wieder heraus...

Bereits kurz nach dem Einschalten fühlt man sich heimisch – wie bereits im Vorgänger dient eine Skihütte als Ort an dem alle Einstellungsentscheidungen getroffen werden. Hier könnt ihr zwischen den Spiel-Modi Match Race, Gate Challenge, Trick Attack, Time Trial, Multiplayer und LAN wählen.
Habt ihr euch für den Match Race – Modus entschieden werdet ihr in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gegen einen Pistengegner antreten. Diese Gegner bestehen aber nicht unbedingt aus Fleisch und Blut! Jeweils die letzte Strecke einer Schwierigkeitsstufe fahrt ihr gegen die Zeit und vor allem gegen die namensgebende Naturgewalt – die Lawine. Im Novice-Level, dem Neulings-Modus, fliegt euch dabei nur ein wenig Pulverschnee um die Ohren, später jedoch werdet ihr mit Steinen und Geröll geradezu bombadiert. Vom herabrutschenden Schnee ganz zu schweigen... Eine gute Idee, die auch schweißtreibend umgesetzt wurde!
Nach dem eigentlichen Renn-Modus fällt für einige wahrscheinlich die Wahl auf die Gate Challenge. Geschick und Eile haben hier höchste Priorität, auf das Ausführen von Tricks könnt ihr euch in anderen Modi konzentrieren! Schafft ihr es auf einer Abfahrt alle Tore in Bestzeit zu durchfahren, müsst ihr euch keine Sorgen mehr um die Spitze der Highscore-Liste machen. Auf die besten Fahrer warten Pokale und zusätzliche Boni, wie z.B. „Bretter“. Wer verspürte nicht schon einmal den dringlichen Wunsch auf einem Pinguin durch´s Gebirge zu rasen?
Die Feinmotorik eurer Finger könnt ihr in Trick Attack einer Prüfung unterziehen. Beim Sprung von einer Schanze, in einer Half-Pipe oder beim Fahren in einem Park gilt es so viele Tricks wie möglich auszuführen, um das Punktekonto bis zum Anschlag zu füllen. Waghalsige Trick-Combos helfen da ungemein...
Im Time Trial-Modus geht es hingegen (fast) nur um die Streckenzeit. So gilt es die vorgegebenen Rekorde zu knacken und sich anschließend selbst die Messlatte so hoch wie möglich zu setzen. Dabei seid ihr natürlich nicht unbedingt alleine auf dem Hang unterwegs. Je nach Wunsch begleitet euch ein Geisterfahrer, der die bisherige Höchstleistung darstellt. Neben der Bestzeit gibt es aber noch anderes zu erreichen: Fünf Münzen, die auf jeder Piste verteilt wurden, warten auf ihren Finder. Sind alle in einer Abfahrt aufgenommen worden, erhaltet ihr einen Coin. Ab einer bestimmten Anzahl an Goldmünzen werden neue Boards freigeschaltet!
Wem ein seelenloser Geist als Spielreiz nicht ausreicht, der kann im Multiplayer-Modus mit bis zu vier Personen auf die Bretter steigen.
Auch im LAN-Modus können leider nur bis zu vier Fahrer gleichzeitig gegeneinander antreten. Einziger Vorteil besteht also darin, dass die Spieler ihren komplett eigenen Bildschirm haben oder zumindest die Split-Screens größer sind. Nintendo, wo bitte liegt der Sinn eines LAN-Modus wenn man für den ganzen Aufwand nicht mit mehr als 3 Freunden vor den Fernsehern sitzen kann?!
In beiden Mehrspieler-Modi stehen nur 6 Strecken zur Auswahl. Sehr seltsam, bietet der Einspielermodus doch um einige mehr. Weiterer Minuspunkt: Mit mehreren Spielern kommt die Grafik hier und da etwas ins Stocken.

Vom LAN-Modus einmal abgesehen, hört sich ja eigentlich alles altbekannt an, oder? Auf ein paar erfrischende Neuerungen müsst ihr jedoch nicht verzichten. Auf den Strecken ist beispielsweise viel mehr los als noch im Vorgänger: Rehe, die über die Wiesen springen als ob die Gewehröffnung eines Jägers auf sie gerichtet wäre, ein Sägewerk, das nie auf die Idee kommen würden nur wegen euch den Betrieb einzustellen und Zivilisten, die euch mit offenem Mund den Weg blockieren oder selber auf Skiern die Schneepracht ausnutzen, sind nur wenige Beispiele. Am meisten wird euch aber das Naturgeschehen außer Atem bringen. Neben der bereits angesprochenen Lawine erschweren euch z.B. herabfallende Eiszapfen oder Schneefall die Abfahrt.
Auch der Steuerung ist Neues widerfahren. Beim Grinden auf Absperrungen oder Holzpfählen müsst ihr mit dem Control-Stick versuchen das Gleichgewicht zu halten. Doch nicht nur beim Grinden ist die Balance wichtig – auch bei einer schlechten Landung oder nach einem Zusammenprall mit einem Hindernis müsst ihr durch Drehen des Analog-Sticks versuchen auf dem Brett zu bleiben. Beides erscheint anfangs recht nervig, ist aber schon nach kurzer Eingewöhnungszeit eine sinnvolle Erweiterung zur generell tadellosen und eher simulationslastigen Steuerung.

Ganz ohne größere Macken kommt aber leider auch 1080° Avalanche nicht daher. Das Spiel bietet zu wenig Umfang bei zu niedrigen Anfordungen! Guten Spielern werden bereits nach einer knappen Stunde die Credits nach dem Expert-Schwierigkeitsgrad an den Augen vorbeilaufen. Als wahre Herausforderung bleibt im Match Race dann nur noch „Extreme“ über. Ähnlich schnell abgehandelt wie der Rennmodus ist leider auch die Gate Challenge. Langfristige Unterhaltung finden Solospieler somit nur wenn sie sich zu den Highscore-Jägern zählen. Für diese bieten Time Trial und Trick Attack genügend Futter. Bekanntlich kann sich aber nicht jedermann zu dieser Spielergruppe zählen.
Auch wer öfter seine Freunde zusammentrommelt kann nicht unbedingt mit länger anhaltendem Unterhaltungswert rechnen. Die 6 Strecken im Multiplayer-Modus verlieren zu schnell ihren Reiz. Andere Spielarten für mehrere Teilnehmer stehen leider gar nicht erst zur Verfügung.

Spielerisch kann Nintendo auf alle Fälle an alte Zeiten anknüpfen, technisch leider nicht ganz. Konnte 1080° Snowboarding zu seiner Zeit ab der ersten Sekunde den Sehnerv reizen, zeigt der Nachfolger erst auf den zweiten Blick seine Schokoladenseite. Anfangs wirkt alles ein wenig grob, mit der Zeit findet man aber immer mehr Details, die den Anblick versüßen. Flatternde Kleidung, Schneeflecken und einzeln animierte Äste sind nur wenige Beispiele. Besonders die Effekte, die das Geschwindigkeitsgefühl verstärken sollen, tun ihren Dienst gut und sehen dabei auch noch hervorragend aus. Auch wenn das Spiel letztendlich auch grafisch einen wirklich guten Eindruck hinterlässt (nur die wenigen Pop-Ups hätten wirklich nicht sein müssen), zu viel solltet ihr dennoch nicht erwarten.

Mit dem Sound geht das Entwicklungsstudio NST Nintendo-untypische Wege: 1080° Avalanche kommt geradezu mit einem gesamten Soundtrack an lizenzierten Songs daher. Mit dabei sind Alternative Rock bzw. Punk - Gruppen wie Finger Eleven, Boysetsfire oder Cauterize, die direkt mit einem kompletten Video-Clip zu „Choke“ auf der Spiele-Disc verewigt sind. Wenn diese Musikrichtung generell nicht euren Geschmack trifft, kann man das nicht ändern. Zum Spiel passt es jedoch größtenteils sehr gut.
Wenigstens ein Lied wird wahrscheinlich schon im Repertoire sein, dass sogar den größten Nörglern unter euch zusagt. Warum nicht einfach vor jedem Rennen diesen Song auswählen? Mit der Dolby Surround Pro Logic II-Unterstützung kann da eigentlich nichts mehr schief gehen.

Fazit

Highscore-Jäger und Gelegenheitsspieler können bedenkenlos zugreifen, denn 1080° Avalanche kann sowohl spielerisch als auch technisch begeistern.
Alle anderen müssen sich gut überlegen ob ihnen für das Geld genügend Umfang geboten wird. Seinen Spaß hat man mit diesem Titel aber auf jeden Fall!

Grafik
8.5
Sound
8
Multiplayer
6.5
Gesamt
8.5

verfasst von „Seppel“

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Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.
Letzte Aktualisierung: 27.November.2003 - 23:06 Uhr