Der Titel verschenkt leider einiges an Potential. Während die Geschichte weitestgehend gut herübergebracht wird, leidet das Gameplay leider in vielen Aspekten. Die Navigation könnte leichter von Statten gehen und einige Aufgaben sind unverständlich oder einfach zu schwer, da das geschichtliche Wissen nicht bei jedem Spieler vorhanden sein wird. Auf der anderen Seite ist das Finden und Kombinieren von Gegenständen teilweise wiederum zu einfach gestaltet. Diese Eigenschaften lassen das Spiel unfertig wirken, was dazu führt, dass jede Spielergruppe im Endeffekt etwas zu benörgeln hat. Wenn man sich ordentlich in das Spiel hineinversetzt, dann macht es gewiss auch Spaß und ist nebenbei sehr lehrreich. Wer damit einverstanden ist, kann durchaus einen Blick wagen, andere greifen lieber zu einem referenzfähigen Titel des Genres.
Spieletest: Marie-Antoinette und der amerikanische Unabhängigkeitsk... NDS
Weitere Infos
Anzahl der Spieler: 1
Leser-Meinungen: Noch keine
Spiel kaufen: Bei Amazon.de bestellen
Specials: keine
Plus / Minus
- Positiv:
- Gute Erzählung eines tatsächlich stattgefundenen Ereignisses
- Nette Fangfragen
- Negativ:
- Grauenhafte Musik
- Unfertig wirkende Aufgaben
- Öde unbelebte Grafiken
Marie-Antoinette und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg - Episode 1: Die Wolfsbruderschaft - Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen noch längeren Spieletitel aufgeschnappt zu haben. Das Point & Click-Adventure aus dem Hause Némopolis, einem französichen, gar nicht so unbekannten Entwicklerteam, kam gegen Ende 2011 auf den Markt und behandelt, wie der Titel schon sagt, den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – Genauer gesagt spielt die Handlung im Jahr 1781 während der Schlacht von Yorktown. Ist das Spiel zu Unrecht in der Spieleflut des letzten Winters untergegangen? Findet es in folgendem Testbericht heraus:
Vor 230 Jahren…
Die Handlung beginnt eigentlich in der Zukunft, in der sich Dunoï die mit Professor Twenty gemeinsam entwickelte Zeitmaschine unter den Nagel reißt und diese dazu nutzen will, die Vergangenheit zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zu verändern. Der Professor, dem dies natürlich gar nicht passt, ist nun aber verhindert und schickt Euch, sein Intimus Oscar, zurück ins Jahr 1781, um hier die Schandtaten seines ehemaligen Kollegen zu verhindern. Ihr landet an Bord der Hermione, wo eine Schlacht gegen die englische „Union“ stattfindet. Schon sehr bald findet Ihr heraus, dass eine Verschwörung der Engländer im Gange ist, um Versailles anzugreifen und dass Dunoï höchstwahrscheinlich daran beteiligt ist. Oscar muss sich dabei immer der jeweiligen Situation anpassen und wird so beispielsweise zum Schiffsjungen oder Dienstboten. Auf Eurem Weg findet Ihr viel über die damaligen Sitten, Werkzeuge und Waffen heraus und trefft auf wichtige Personen, die natürlich auch real existierten. Hier erkennt man auch deutlich, dass der Spieler, z.B. ein Schüler, der sich für Geschichte interessiert, sehr viele Tatsachen aus der Vergangenheit lernen kann, wenn er sich genügend Zeit dafür nimmt – Denn die braucht das Spiel, um sich ordentlich hinein zu versetzen. Nebenbei ist auch netterweise eine kleine Enzyklopädie mit Begriffen aus jener Zeit enthalten, deren Erklärungen auch immer recht ausführlich sind.
Touch & Click
Nun geht es im Spiel aber neben der interessanten, lehrreichen Geschichte natürlich auch um das Gameplay selbst. Ihr bewegt euch in keiner lebhaften, großen Szenerie sondern von Standbild zu Standbild, in denen sich gelegentlich Personen, ebenfalls Standbilder, befinden, die teils aussehen, als wären sie schnell mal mit Paint „hingefetzt“ worden. Am oberen Bildschirmrand des Touchscreens befindet sich ein kleines Menü mit allen benötigten Befehlen – Ihr könnt damit ins Inventar, zum Speicherbildschirm oder zum Anzeigen der Navigationspfeile gelangen. Im Groben hält sich das Spiel an standardmäßige Menüs in vergleichbaren Spielen, könnte aber ruhig etwas bedienfreundlicher ausfallen. So wäre z.B. eine Art Speicher eines Gegenstandes hilfreich gewesen, um im nicht ständig im Menü auf „Benutzen“ klicken zu müssen.
Was im Gegensatz zu anderen Point- & Click-Adventures noch negativ auffällt, sind die verdammt raren versteckten Punkte in den Standbildern. Zudem sind selbst diese spätestens dann sichtbar, wenn man die bereitgestellte Möglichkeit, sie markieren zu lassen, nutzt. Des Weiteren wurde beim Text sehr gespart – Die Personen sagen fast immer dasselbe, selbst antworten darf man sowieso nicht. Sogar, wenn man einen Gegenstand mit einer Person kombinieren will und dieser nicht passt, bekommt Ihr die standardmäßige Aussage zu Gesicht – Dabei hätte doch ein allgemeiner Satz wie „Das passt nicht“ schon für mehr Klarheit und weniger Text-Weiterklicken gesorgt. Sprachausgabe ist keine vorhanden; Lediglich in der doch sehr nett gestalteten Introsequenz gibt es ein paar Wörter zu hören. Die Musikuntermalung während des Spielens ist ziemlich gewöhnungsbedürftig: Schlampig gemachte MIDI-Sequenzen von Melodien aus der passenden Zeit, die nicht nur teils ziemlich grauenhaft klingen, sondern sich auch noch ständig wiederholen.
Knifflig oder kaum lösbar?
Es ist nicht ganz einfach, den Schwierigkeitsgrad dieses Spiels einzuschätzen. Die Aufgaben kann man dabei in das Kombinieren richtiger Gegenstände, das Bewältigen von Minispielen und richtige Beantworten von Fragen unterteilen. Ersteres funktioniert gut und es gibt meistens logische Lösungen, die nicht allzu schwer zu finden sein sollten. Die Minispiele verhalten sich da schon anders – Selten aber doch tauchen sie im Spielverlauf auf und werden aus unerfindlichen Gründen nie erklärt. So muss beispielsweise innerhalb einer gewissen Zeit eine Kanone richtig geladen werden, das Kartenspiel Pharao gewonnen werden oder in Trou-Madame, einem kegel-ählichen Spiel, eine gewisse Punktzahl erreicht werden. Probieren geht über Studieren – so lautet die Devise für diejenigen, die sich nicht auf der Stelle auskennen, und das wird wohl die große Mehrheit sein.
Die oben erwähnten Fragen behandeln zumeist Fakten über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowie dessen Drumherum. Ein arges Beispiel ist gleich die zu Beginn des Spiels ganze Flut von Fragen, wie eine Pistole damals aufgebaut war und funktioniert hat. Ihr müsst ca. die Hälfte davon richtig beantworten, ansonsten geht’s wieder von vorne los. Aber auch später werden Fragen über Adelige aus jener Zeit gestellt, wo es u.a. um Geburtsorte geht. Irgendwann wird dann aber auch das Herumprobieren extrem zäh – Ein Computer mit Internetzugang oder eine ausführliche Enzyklopädie ist in diesem Fall sehr empfehlenswert.
Neben den Fragen über Vergangenes werden aber auch noch logische Denkfähigkeit und rechnerisches Wissen erfordert – Wie in den Layton-Spielen tauchen auch oft Fangfragen auf. Wie viele Tropfen Rum passen in eine leere Flasche? ist eine solche, deren Antwort „1“ ist, da die Flasche darauf ja nicht mehr leer ist. Eine andere Fragestellung lautet Meine Besatzung besteht aus 5 Mann pro Stunde am Tag. Wie viele Mann hat meine Besatzung?. 24 mal 5 zu rechnen erschien mir zu simpel und der Tipp, dass es nicht 15 seien, hat mich glauben lassen, dass es sich um noch weniger Mann handelt. Falsch gedacht; Schließlich waren es doch die 120. Die Eingabe der Zahlen funktioniert sehr gut und hat eigentlich keine Probleme verursacht, weshalb ich diese Rätsel als gelungensten Teil des Spiels ansehe.
Nicht ganz zufriedenstellend
Um sich noch einmal einen Überblick zu verschaffen: Das Spiel soll offensichtlich als unterhaltsame Lernsoftware für jüngere Spieler dienen – Das ist an der Aufmachung des Titels leicht zu erkennen. Aber es wird für ein dementsprechendes Alter schätzungsweise nicht ganz so einfach sein, alles von der Geschichte mitzubekommen bzw. die integrierte Enzyklopädie sinnvoll zu nutzen. Auch die vorhandenen Rätsel dürften dabei teils doch recht knifflig bzw. schwierig zu verstehen sein, was natürlich bald einmal zu Frust führen kann. Erwachsene Interessierte oder Eltern sind da wohl geduldiger und kommen mit den gestellten Aufgaben besser klar, könnten von einfacheren Teilen des Titels aber auch wiederum gelangweilt sein. Ansonsten ist die Geschichte recht gut erzählt, wobei es allerdings schon sehr seltsam wirkt, als Fremder mit jedem Adeligen wie König und Königin zu sprechen zu dürfen. Jeder halbwegs interessierte wird zwar Positives am Spiel finden, aber nie vollkommen zufrieden sein. Wer sich das Spiel zulegt, sollte dies beachten und sich außerdem gut hineinversetzen können – Dazu gehört vor allem Geduld bei unverständlichen Situationen.
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Vielen Dank an die Firma Némopolis für die Bereitstellung des Testmusters.
Letzte Aktualisierung: 07.Januar.2012 - 23:52 Uhr












